Fest des reinen Bieres 2017

Das bayerische Reinheitsgebot von 1516

Seit Bier gebraut wird, gibt es auch Vorschriften zur Qualität und dem Bierpreis. So sind 1156 aus Augsburg, 1293 aus Nürnberg, 1363 aus München oder 1447 aus Regensburg Bierordnungen überliefert. In der zweiten Hälfte des 15. und im frühen 16. Jahrhundert häufen sich dann regionale Vorschriften zur Preisfestsetzung und Herstellung des Bieres. Doch was die Bierqualität betraf, waren überall im Land Klagen über schlechtes Bier laut geworden. Dabei hatten die Obrigkeiten mit ihren Bierpreisfestlegungen im Wesentlichen selbst zu den Bierverfälschungen beigetragen. Um den Gewinn trotz steigender Rohstoffpreise zu sichern, reagierten viele Brauer mit einer schlechten Bierqualität. So wurden dem Sud alle nur erdenklichen Kräuter, ja sogar drogenähnliche Pflanzen oder Pilze beigemischt.

Zur Erreichung einer ansprechenden dunklen Bierfarbe half man sogar mit etwas Ruß oder Ochsenblut nach. Um jene Missstände wirksam zu unterbinden, erließ im Jahre 1493 Herzog Georg der Reiche von Bayern-Landshut eine Verordnung, die im Jahre 1516 auf dem Landesständetag zu Ingolstadt auf ganz Bayern ausgedehnt wurde. So erließen am Georgitag (23.April) des Jahres 1516 die damals gemeinsam regierenden Herzöge, Wilhelm IV., und sein jüngerer Bruder Ludwig X. eine Neufassung der bayerischen Landesordnung. In jenem umfassenden Rechtswerk war auch eine Verordnung zum Brauen von Bier enthalten. Dabei ging es den Herzögen nicht nur um die Reinhaltung des Bieres. Vielmehr sollte die Brotversorgung der Bevölkerung gesichert werden, wofür der wertvolle Weizen und Roggen allein den Bäckern und nicht mehr den Brauern vorbehalten bleiben sollte. Mit dem bayerischen Reinheitsgebot sollte aber auch sichergestellt werden, dass künftig für das Grundnahrungsmittel Bier nur noch Wasser, Malz und Hopfen verwendet werden dürfen. Was zumindest die Zutaten betrifft, hat dieses älteste Lebensmittelgesetz auch heute noch nach 500 Jahren bundesweit seine Gültigkeit.

Doch bis es zur Durchsetzung des Reinheitsgebotes gekommen war, verstrich vermutlich noch eine gewisse Zeit, was ein Eintrag im Senatsprotokoll der Universität Ingolstadt vom 7. Oktober 1517 beweist. Der Universitätsprofessor und Stadtpfarrer im Münster, Dr. Eck erklärte: „dass der Wein in diesem Jahr sehr teuer und das Bier geradezu ungenießbar sei, sodass niemand es trinken wolle. Man müsse Abhilfe schaffen, wenn man die Universität in Kraft halten wolle“. Der Senat setzte daraufhin sofort eine fünfköpfige Kommission ein, um den Stadtvätern diesen Ernst der Lage zu erörtern: „Die Brauer müssten sich unbedingt mit besseren Stoffen und größeren Mengen versehen, damit nicht die Studenten wegen Mangel an Trunk abwandern müssten“.

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